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Gemeinsam konkurriert es sich besser.

Sie sind Mitbewerber und teilen trotzdem Wissen, Erfahrungen und Einblicke in Produktion und Unternehmen. Was die acht Unternehmen im PhytoValley dazu bewegt? Weil sie etwas herausgefunden haben, das auch für andere Branchen spannend ist.

Wettbewerb belebt das Geschäft. Kooperation auch.

Unternehmen behalten ihr Wissen ja lieber für sich. Schliesslich könnte die Konkurrenz davon profitieren. Richtig? Acht Unternehmen aus der pflanzlichen Gesundheitsbranche sehen das etwas anders.

 

Sie haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. PhytoValley Switzerland nennt er sich und besteht aus führenden Herstellern aus den Bereichen Naturmedizin, Heilpflanzen, Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenkosmetik. Was sie verbindet? Sie alle sind in der Thurgauer Bodenseeregion beheimatet. Und sie teilen eine gemeinsame Überzeugung: «Pflanzliche Medizin und natürliche Gesundheitsprodukte verdienen einen festen Platz im integrativen Gesundheitsverständnis», erklärt Cécile Mandefield, Präsidentin von PhytoValley Switzerland.

 

Was sie eint, sind die Produkte und Therapiekonzepte aus den Quellen der Natur. Was sie unterschiedet? Ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Geschäftsinteressen. Doch genau darin liegt die Stärke.

Acht Unternehmen. Ein Vokabular.

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt ein gemeinsamer Ausbildungstag für angehende Drogist:innen. Den acht Unternehmen ist eine ganzheitliche Beratung am Verkaufsort wichtig. Dafür braucht es fundiertes Wissen über die gesamte Wertschöpfungskette sowie über die korrekte Anwendung der Produkte. Doch jedes Unternehmen arbeitet mit eigenen Herstellungsverfahren, Therapiekonzepten und Fachbegriffen. Das kann Verkaufspersonal und Kundschaft gleichermassen verunsichern. Und sowohl die Beratungsqualität als auch den Umsatz negativ beeinflussen.   

Die acht Unternehmen einigten sich darum auf ein gemeinsames Vokabular. Was nach einer Kleinigkeit klingt, war in der Tat ein intensiver Austausch. Das Ergebnis: ein Ausbildungstag, der das Wissen über die verschiedenen Produkte vertieft, eine ganzheitliche Beratung ermöglicht und damit alle Marken am Verkaufgspunkt stärkt.  

Coopetiton. Und was dahintersteckt.

«Unsere Zusammenarbeit folgt dem  Prinzip der Coopetition. Also eine Mischung aus Cooperation und Competition», so Cécile Mandefield.  Kooperation und Wettbewerb also. Dazu gehören auch Fachzirkel. «Konkret heisst das: Mitarbeitende aus Bereichen wie Finanzen, IT, Produktion oder Technik tauschen sich direkt mit Kolleg:innen aus anderen Unternehmen aus, um gemeinsam Lösungen für konkrete Herausforderungen zu finden.  

Was das bringt? Beispielsweise Live-Demonstrationen von Technologien oder Abfüllmaschinen. So können die Unternehmen Insights und Erfahrungen teilen und herausfinden, welche Lösungen für sie am zielführendsten sind. «Dieser Wissenstransfer geht weit über die üblichen, theoretischen Gespräche in einem Sitzungszimmer hinaus», sagt Mandefield.

Für die beteiligten Unternehmen ist das äussert wertvoll. Denn warum sollte jeder dieselbe Erfahrung selbst machen müssen, wenn andere sie längst gesammelt haben?

Vertrauen braucht Zeit. Selbst bei ähnlichen Interessen.

So viel Offenheit funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen. Da steckt viel Aufbauarbeit dahinter. Dass der Vorstand von PhytoValley über die Jahre personell weitgehend unverändert blieb, hat viel bewirkt. «Wir kennen uns, respektieren die unterschiedlichen Kompetenzen und wissen, worauf wir uns verlassen können», fasst es Cécile Mandefiled zusammen.

Die grösste Herausforderung für den Verein haben sich mittlerweile verändert. «Zeit», sagt Mandefield. «Wir Vorstandsmitglieder engagieren uns nebenberuflich und sind stark in unseren Unternehmen eingebunden». Deshalb werden Aufgaben nach Fachwissen und Interessen verteilt. Wer bei einem Thema besonders viel einbringen kann, übernimmt dort die Führung. «So bleibt die Zusammenarbeit auch im anspruchsvollen Alltag machbar».

Und was bringt das dem Oberthurgau?

PhytoValley wurde in Arbon gegründet. Vier der acht Mitgliedsunternehmen sind im Oberthurgau zuhause. Der Verein wirkt allerdings weit über die Region hinaus.

Für Mandefield liegt eine grosse Chance darin, die Phytokompetenz noch stärker im Bereich Bildung und Forschung einzubringen. Ihre Vision: ein spezialisiertes Ausbildungs- und Forschungsinstitut, möglicherweise in Zusammenarbeit mit einer Fachhochschule.

«Das würde unseren Standort als Zentrum für pflanzliche Gesundheitsprodukte weiter stärken. Fachkräften neue Perspektiven eröffnen und uns noch mehr Innovationen ermöglichen», ist Cécile Mandefield überzeugt. Und mit den zusätzlichen Expert:innen wachsen Unternehmen und Region mit. 

Inspiration für andere Branchen.

PhytoValley Switzerland beweist, dass direkte Mitbewerber gemeinsame Interesse haben. Und sie bei Themen wie Ausbildung, Fachkräfte, Technologien und Forschung voneinander profitieren können.

Dieser Gedanke steckt letztlich auch in Upper Thurgau. «Die Region verfügt über viel Wissen und unternehmerische Erfahrung. Wenn diese Stärken über Branchen- und Unternehmensgrenzen hinaus genutzt werden, stärkt uns das alle: als Professionals, als Unternehmen und als Region», findet auch Cécile Mandefield.

Was es dazu braucht? Eine Frage, die man für einmal nicht nur in der eigenen Firma diskutiert. Und schon kommt der Ball ins Rollen.

Upper Thurgau
Die Impact Region

3 Fragen an Cécile Mandefield

Was braucht es, damit Mitbewerber sich vertrauen?
Das lässt sich nicht erzwingen. Es braucht Zeit und gegenseitigen Respekt. Bei PhytoValley ist das Vertrauen über die Jahre gewachsen. Weil wir unsere unterschiedlichen Hintergründe und Kompetenzen wertschätzen und erlebt haben, wie bereichernd andere Perspektiven sind.

Was raten Sie Unternehmen, die über eine ähnliche Zusammenarbeit nachdenken?
Wagt den ersten Schritt! Identifiziert eine gemeinsame Challenge, setzt euch an einen Tisch, hört einander zu und findet heraus, ob und wo gemeinsamen Interessen liegen. Wohin das führen wird, muss aus meiner Erfahrung am Anfang noch gar nicht feststehen.

Was können andere Branchen von PhytoValley lernen?
Vertrauen ist der Zement, Austausch das Wasser, das ihn in Bewegung bringt. Erst wenn beides zusammenkommt, kann man gemeinsam etwas aufbauen. 

 

Zur Person

Cécile Mandefiled ist Präsidentin von PhytoValley Switzerland und war von 2012 bis September 2026 Geschäftsführerin  von Regena, Tägerwilen. Sie engagiert sich dafür, die pflanzliche Gesundheitsbranche sichtbarer zu machen und ihre Bedeutung im integrativen Gesundheitsverständnis zu stärken. Besonders am Herzen liegen ihr Wissenstransfer, Kooperation zwischen Unternehmen und die Verbindung zu Bildung und Forschung.  

 

 

Zu PhytoValley Switzerland

Im Verein PhytoValley haben sich die Unternehmen Alpinamed, A.Vogel, Ceres Heilmittel, Hepart, Joga Med, Max Zeller Söhne, Rausch und Regena zusammengeschlossen. Mit der Idee, die Region als weltweit führendes Kompetenzzentrum für Phytopharmazie, Pflanzenheilkunde und Naturmedizin zu etablieren. Mit Forschung, Wissensaustausch, Netzwerk und der gemeinsamen Sicherung von Fachkräften soll auch der Wirtschaftsstandort gestärkt werden.