ISA bodywear
Grosse Innovationen brauchen grosse Firmen? Nicht bei ISA bodywear. Das Familienunternehmen aus Amriswil verarbeitet dank zwei Schweizer Textilspezialisten das erste Garn aus 100% recycelter Baumwolle. Eine gut verstrickte Geschichte.
Von der Geologin zur Chief Technology Officer (CTO). Helene Lanter hatte keinen fertigen Karriereplan, aber ein klares Verständnis ihrer Stärken. Und nicht zuletzt: Menschen, die ihr Freiraum gaben, ihren Weg zu finden.
Manchmal kommen Karrieren nicht mit einem Karriereplan ins Rollen. Sondern mit Steinen in Kanada. Doch von Anfang an. Nach einem längeren Aufenthalt in Kanada wollte Helene Lanter zurück in die Schweiz, stellte aber fest: Für einen Job in einem klassischen geologischen Büro passten ihre Qualifikationen nicht optimal.
Also absolvierte sie eine zweiter Master-Ausbildung in England und spezialisierte sich auf geologische Gefahren. Bei einer Steinschlagkonferenz in Frankreich begegnete sie erstmals Geobrugg. Beim Kennenlernen wurden ihr gleich drei mögliche Projekte vorgestellt. Eines davon: Steinschlagversuche in Kanada.
«Steine einen Abhang hinunterrollen zu lassen, war für mein Geologinnenherz eine wunderbare Vorstellung. Und das in Kanada. Was soll ich sagen? Geobrugg hatte mich erobert.»
Heute, neuneinhalb Jahre später, ist Helene Lanter CTO des Romanshorner Unternehmens. Geplant war das so aber nie.
Helene Lanter startete mit einer befristeten Stelle in der Technik. Danach war keine passende Position frei. Kollegen setzten sich aber dafür ein, dass sie bleiben konnte. So wechselte sie in den Vertrieb.
«Da lernte ich unheimlich viel. Aber auch, dass Vertrieb nicht meine Welt ist», schmunzelt Lanter heute. Irgendwann spielte sie mit dem Gedanken, Geobrugg zu verlassen. Doch wieder waren es ihre Kolleginnen und Kollegen, die an ihr Potential glaubten und sich für sie einsetzten. So fand man bei Geobrugg eine Stelle, die zu ihren Stärken passte.
«Manchmal braucht es vor allem eines: Jemanden, der an dich glaubt und dir eine Chance gibt.»
Entscheidend für Helene Lanter war weniger das Förderprogramm und vielmehr die Mentalität bei Geobrugg. «Bis heute spüre ich hier ein Start-up-Spirit. Wir Mitarbeitenden bekommen viel Freiraum, Dinge anzupacken und können Projekte auf unsere Art umsetzen. Im Gegenzug übernehmen wir viel Verantwortung. Daran bin ich stark gewachsen.»
Für Helene Lanter beginnt Talententwicklung darum erstmal mit Vertrauen. «Erst wenn dir jemand die Chance gibt, Verantwortung zu übernehmen, kannst du auch Führungspotential zeigen», ist sie überzeugt. Natürlich waren für Sie Weiterbildung und Förderprogramme enorm wichtig. Aber sie bleibt dabei: «Führung lernt man nicht nur im Seminarraum».
Dass sie mittlerweile Führungskraft geworden war, merkte Helene Lanter vor allem an ihren Gesprächen. Plötzlich ging es um Dinge, die sie nicht einfach bei einer Kaffeepause thematisieren konnte. Und in Diskussionsrunden hatte ihr Wort ein anderes Gewicht.
«Das hat sich gut und richtig angefühlt. Ich konnte mich für mein Team einsetzen und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden.»
Dabei lernte sie, dass die fachlich beste Lösung nicht immer die beste Führungslösung ist. Zuhören, andere Perspektiven verstehen, Menschen mitnehmen: Das gehört heute genauso zu ihrer Arbeit wie das Lösen technischer Probleme.
Als fertige Führungskraft sieht sie sich deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: «Ich hoffe, noch vieles lernen zu können. Und manches vielleicht auch wieder zu verlernen.»
«Entwicklung ist nie abgeschlossen. Egal, welcher Titel auf der Visitenkarte steht.»
Helene Lanter ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Was muss sie opfern, um Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen? Sie überlegt kurz und meint: «Eigentlich nichts.»
Natürlich gehe sie heute weniger Bergsteigen als früher. Aber auch das sieht sie gelassen. «Diese Zeit kommt wieder. Vielleicht mit ihren Kindern, andernfalls auch, wenn sie dereinst ausgeflogen sind. «Mir ist wichtig, zufrieden zu sein mit dem, was wir heute zusammen machen können.»
Dass Familie und Karriere funktioniert, braucht trotzdem Unterstützung. Von ihrem Mann, der ebenfalls bei Geobrugg arbeitet. Aber auch Eltern, Schwiegereltern und dem Chinderhuus Sunnehof in Romanshorn halten ihr den Rücken frei. «Weil ich weiss, dass meine Kinder gut aufgehoben sind, kann ich auch bei der Arbeit wirklich präsent sein.»
Einen Erfolgsfaktor ihrer Karriere sieht sie auch in ihrem Lebensmittelpunkt. Im Oberthurgau kann sie international arbeiten und trotzdem im Grünen leben. Deutschland und Österreich sind nur einen Katzensprung entfernt, der Bodensee liegt vor der Haustür. Dazu kommt ein Alltag, der durch die kurzen Wege weniger hektisch ausfällt als in den grossen Städten.
Vielleicht charakterisiert enau das auch Helene Lanters eigene Geschichte. Sie kam nicht mit einem fertigen Karriereplan zu Geobrugg. Und blieb, weil sich immer wieder neu und weiter entwickeln konnte. Mit Menschen, die ihr etwas zutrauten. Heute ist sie CTO. Nicht, weil jeder Schritt geplant war. Sondern weil der nächste immer wieder möglich war.
Für eine Region sind Talente wie Helene Lanter weit mehr als nur Fachkräfte. Es sind Menschen, die uns inspirieren und weiterbringen. Umso wichtiger ist ein Umfeld, in dem Menschen gerne arbeiten, leben und bleiben. Genau dafür engagieren wir uns.
Was hätten Sie am Anfang Ihrer Karriere gerne gewusst?
Dass sich in neuneinhalb Jahren unglaublich viel entwickeln kann. Und dass eine Karriere nicht von Anfang an vollständig planbar sein muss. Gerade meine Umwege und Rollenwechsel waren für mich extrem lehrreich.
Was war für Ihren eigenen Weg entscheidend?
Dass ich meinen eigenen Weg gegangen bin und dabei immer wieder darauf gehört habe, wias wirklich zu mir passt.
Und wenn der Karriereweg einmal nicht geradeaus führt?
Dann muss er nicht gleich falsch sein. Mein Weg war nicht geradlinig, aber es hat sich immer stimmig angefühlt.
Helene Lanter ist 36 und seit 2025 Chief Technology Officer bei Geobrugg. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Region.
Geobrugg mit Sitz in Romanshorn entwickelt und produziert Schutzsysteme gegen Naturgefahren und weitere dynamische Einwirkungen. Die Lösungen kommen unter anderem beim Schutz vor Steinschlag, Murgängen und Lawinen sowie im Bergbau und Motorsport zum Einsatz. Von Romanshorn aus gelangen sie auf der ganzen Welt zum Einsatz.