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23. Oberthurgauer Wirtschaftsmeeting – Aufbruchstimmung am Bodensee

Es wurde diskutiert, gelacht und Klartext gesprochen. Am 23. Oberthurgauer Wirtschaftsmeeting in Romanshorn trafen sich 130 Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik. Dabei zeigte sich: In dieser Region steckt Tatendrang. Und mit Upper Thurgau wurde eine Plattform lanciert, die neue Wege für die wirtschaftliche Entwicklung der Region gehen will.

Leinen los!

Ein Wirtschaftsmeeting auf dem Bodensee? Klingt nach gemütlichem Netzwerken in Romanshorn. Doch an Bord der MS Säntis und MS St.Gallen ging es gleich zur Sache. In drei Workshops diskutierten rund 130 Verteter:innen aus Wirtschaft, Gewerbe und Politik über die grössten Herausforderungen der Region.

Wie hält man Talente in der Region? Wie gelingen Unternehmen Innovationen? Und warum wissen viele gar nicht, welches Know-how sie direkt vor ihrer Haustüre anzapfen können?

Die Gespräche zeigten: An guten Ideen und engagierten Menschen mangelt es im Oberthurgau nun wirklich nicht. Was fehlt, ist manchmal ein direkter Draht. Doch genau das sollte sich am 23. Wirtschaftsmeeting ändern.

Unternehmer auf Glatteis

Nach den Workshops ging es im Kornhaus auf dem Podium weiter. IHK-Direktor Jérôme Müggler führte seine drei Gäste als Moderator gleich mit einer Trickfrage aufs Glatteis: Mit welchen Argumenten würden Sie ein Unternehmen aus Zürich in den Oberthurgau locken? Und was würden sie lieber verschweigen?»

Sebastian Kuster von swiss-sonic Ultraschall hob den Bodensee als Lebensraum hervor. Christoph Keller von Eugster/Frismag verwies auf engagierte Mitarbeitenden und fehlende Staus. Und Andreas Bleiker von Alpinamed hätte am liebsten den herbstlichen Bodenseenebel verschwiegen... wäre er denn an diesem Tag zu sehen gewesen.

Schmunzler im Saal. Doch daraus entwickelte sich eine ernsthafte Diskussion. Wie nutzt der Oberthurgau seine wirtschaftliche Stärke in einem zunehmend komplexeren Wirtschaftsumfeld?

Gut sein? Reicht allein nicht.

«Als Wirtschaftsstandort müssen wir nicht nur gut sein. Wir müssen auch sichtbar sein», ist Christian Sallmann, Co-CEO von ISA Bodywear, überzeugt. Sein Familienunternehmen ist seit über 175 Jahren in der Region verwurzelt. Er kennt die Stärken, aber auch die Nachteile der geografischen Lage. «Als Randregion fehlen uns wichtige Verkehrsverbindungen», so Sallmann. Umso entscheidender ist es, unsere Netzwerke zu stärken.

Auch Roger Martin, Stadtpräsident von Romanshorn, sieht hier grosses Potenzial. «In unserer Region finden sich viele Hidden Champions, darunter auch globale Marktführer. Diese Stärken müssen wir künftig besser für alle nutzen».

Was aber hilft denn weiter?

Dass es nicht nur um Standortpolitik geht, zeigte sich davor bereits in den Themenforen. «Ich will wissen, wer mir bei einem Problem konkret weiterhelfen kann», erklärt Roland Kauderer, Inhaber der Öpfelfarm. Barbara Bosshart, Geschäftsführerin von Pro Nautik, wünscht sich eine Plattform, die neue Zusammenarbeitsformen aufzeigt und ermöglicht.

Und Walter Eggenberger von der Thurgauer Kantonalbank Romanshorn schätzt zwar die kurzen Wege zu Gemeinden, Politik und Wirtschaft. «Ich wünsche mir aber mehr Miteinander statt Gärtchendenken. Auch wenn das in den letzten Jahren schon besser geworden ist», sagt er.

Besonders deutlich wurde der Handlungsbedarf beim Thema Fachkräfte. «Wir haben einen Brain Drain», warnt Andreas Schmid, Präsident des Industrievereins Amriswil. «Gut ausgebildete Menschen verlassen die Region, obschon es hier innovative Unternehmen gibt. Aber wissen sie das auch?».

Upper Thurgau. Die gemeinsame Adresse. 

Aus den vielen Gesprächen wurde klar, was Unternehmen vermissen: eine Anlaufstelle, die bestehende Angebote sichtbar macht, Kontakte vermittelt und den Austausch über Branchen- und Gemeindegrenzen hinweg ermöglicht.

Mit der offiziellen Lancierung von Upper Thurgau erhält dieser Wunsch jetzt eine Form. Denn die neue Initiative bietet Hand für die Herausforderungen in vier Handlungsfeldern: Innovation, Netzwerk, Talents und Branchen-Clusters. So können sich Unternehmen vernetzen, Erfahrungen austauschen, neue Partner finden. Und gemeinsam Lösungen finden.

«Wenn wir unsere Stärken und Expertisen besser bündeln, können wir als Wirtschaftsraum mehr erreichen als jeder für sich allein», erklärt Upper Thurgau Präsident Kevin Länzlinger. 

Leinen los. Und Kurs halten.

Beim anschliessenden Stehlunch war schnell zu hören: Die Initiative stösst auf offene Ohren. Sebastian Kuster verspricht sich insbesondere für KMU’s viel vom Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Und Lukas Rösch wird konkret: «Heute ist es fundamental wichtig, dass wir innerhalb unserer Branchen miteinander sprechen. Dass wir uns nicht nur als Mitbewerber sehen. Vielmehr können wir gerade in Themen wie Digitalisierung und Innovation gemeinsam viel mehr erreichen».

Daniel Eugster, Geschäftsführer der Eugster Group, brachte es auf den Punkt: «Jetzt haben wir alles. Wir müssen es nur noch machen.»

Chancen liegen näher, als man denkt.

Das 23. Oberthurgau Wirtschaftsmeeting hat gezeigt, wie viel Wissen, Erfahrung und Unternehmergeist im Oberthurgau steckt. Mit Upper Thurgau werden diese Stärken nun noch besser verbunden. Ob daraus auch tatsächlich Wirkung entsteht, entscheiden die Unternehmen und Menschen, die sich jetzt einbringen. Und Upper Thurgau als Sprungbrett nutzen. Das ist manchmal leichter als man denkt. Denn es beginnt ganz einfach mit einem Gespräch und einem Gegenüber, das uns auf neue Ideen bringt.