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«Miteinander reden, lange bevor man etwas voneinander braucht.»

Die Mosterei Möhl ist ein Hochleistungsbetrieb.
Bis zu 200’000 Flaschen werden hier täglich abgefüllt. Doch nach 30 Jahren muss eine neue Abfüllanlage her. Und mit ihr ein Erweiterungsbau. Für Möhl ist das überlebenswichtig. Genauso wichtig: ein Bewilligungsverfahren, das sich nicht über Jahre hinwegzieht. Geholfen hat dabei etwas ziemlich Einfaches: früh miteinander reden.

Auch die beste Anlage hat ein Ablaufdatum.

Ernst Möhl, Verwaltungsratspräsident der Mosterei Möhl, spricht über seine Abfüllanlage wie über eine treue Weggefährtin. Seit bald 25 Jahren läuft sie. Zuverlässig, und ziemlich viel, wie der Patron versichert. Aber er muss auch die Zukunft planen. «Das ist wie bei einem Mercedes mit 500'000 Kilometern auf der Uhr», schmunzelt er. 

Geplant ist also eine neue Abfüllanlage. Alte raus, Neue rein? So einfach geht’s nicht. Einerseits ist die neue Anlage 50% leistungsfähiger und damit auch massiv grösser. Andererseits muss während der Umstellung weiter abgefüllt werden. Möhl braucht also einen Erweiterungsbau. Rund 12 Millionen Franken wird er kosten. Genauso viel veranschlagt Ernst Möhl für die Abfüllanlage selbst. «Für uns eine riesige, aber überlebensnotwendige Investition».

Los geht’s, lange bevor die Bagger kommen.

Dass gebaut werden muss, weiss Möhl also schon länger. Entsprechend früh wurden hier die Voraussetzungen geschaffen. Zusätzlicher Boden musste gekauft, ein Teil davon umgezont werden. Ein Gestaltungsplan war nötig, später das Baugesuch. Und weil das Areal an Wohngebiet grenzt, ging es auch um Abstände und die Interessen der Nachbarschaft. Potenziell also viele Stolpersteine.

Die Mosterei Möhl wartete deshalb nicht, bis alle Pläne fertig auf dem Tisch lagen. Das Unternehmen suchte früh den Kontakt zu Stadt, Kanton und Nachbarn. Für Ernst Möhl ist das nichts Aussergewöhnliches. Eher etwas, das zum Unternehmertum gehört.

«Wenn man baut, muss man mit den Menschen reden. Nicht erst, wenn Medien über das Baugesuch berichten.»

Bei der Mosterei Möhl lief das Bauvorhaben zügig durch alle Instanzen. Heute liegt die Baubewilligung bereits vor. Ernst Möhl schätzt die unkomplizierte, kooperative Zusammenarbeit mit den Behörden. «Die Stadt hat sich für uns eingesetzt und auch der Kanton hat unser Vorhaben lösungsorientiert begleitet». Statt unnötiger Hürden erlebt er hier im Thurgau kurze Wege mit direkten Ansprechpartnern. 

Dass beim Erweiterungsbau keine Einsprachen kamen, ist das Resultat vieler Gespräche. «Ich habe immer geschaut, dass ich gut vernetzt bin. Mit Gewerbe, Wirtschaft, Behörden, Bevölkerung und Nachbarschaft. Es geht dabei gar nicht darum, dass jedes Gespräch unmittelbar etwas bringen muss. Einen direkten Draht zu finden und pflegen, ist viel wichtiger». 

Beim Erweiterungsbau hat sich dieser direkte Draht bezahlt gemacht. Dass ein Projekt dieser Grössenordnung so reibungslos durchs Verfahren kommt, ist keine Selbstverständlichkeit. So ist er überzeugt: in grösseren Metropolen hätte sich dieser Prozess komplizierter und länger gestaltet.

Gebaut wird trotzdem noch nicht.

Die Baubewilligung für den Erweiterungsbau liegt auf dem Tisch. Die Bagger fahren trotzdem noch nicht gleich vor. Einerseits läuft die bestehende Anlage weiterhin problemlos. Gleichzeitig stehen weitere Investitionen an. Ein Umbau der PET-Abfüllanlage beispielsweise. So plant die Mosterei Möhl den Baubeginn frühestens auf 2028. Warum aber die «Eile» mit dem Baugesuch?

Für Ernst Möhl kein Widerspruch. Im Gegenteil. Weil die planerische Voraussetzung bereits geschaffen sind, kann das Unternehmen den Zeitpunkt nach seinen betrieblichen und finanziellen Bedürfnissen frei wählen. Die Mosterei Möhl hat damit etwas gewonnen, das für Unternehmen zentral ist: Handlungsspielraum.

Ein 24-Millionen-Projekt entsteht nicht im Alleingang. Unternehmen investieren. Behörden prüfen und bewilligen. Nachbarn sind unmittelbar betroffen. Und alle haben ihre eigenen Interessen.

Dass daraus trotzdem kein Gegeneinander werden muss, zeigt die Geschichte von Möhl. Nicht weil Regeln ausser Kraft gesetzt wurden. Sondern weil man miteinander spricht und einen Konsens findet, bevor es schwierig wird.

Manchmal sind kurze Wege eben mehr als eine Frage der Distanz.

3 Fragen an Ernst Möhl

24 Millionen Franken für die Zukunft.
Schläft man bei Entscheiden wie diesen noch ruhig?
Natürlich, das ist sehr viel Geld. Der Grund, warum wir auch nicht alle Investitionen gleichzeitig umsetzen und weitsichtig mit unseren Mitteln umgehen. Aber für unsere Zukunft ist die neue Abfüllanlage schlicht existenziell. 

50% mehr Leistung. Steuert Möhl mit der neuen Abfüllanlage einen riesigen Wachstumskurs an?
Neue Anlagen bringen naturgemäss immer mehr Leistung. Ob wir das voll ausschöpfen werden? Das werden wir sehen. Viel wichtiger ist: Wir brauchen diese Anlage für die nächsten 25 Jahre und müssen für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sein.

Ist Wachstum für die Region automatisch etwas Gutes?
Immer mehr ist für mich nicht automatisch immer besser. Wenn unsere Region wächst, müssen auch Fachkräfte und Infrastruktur mitwachsen. Deshalb bin ich überzeugt: Eine Region muss nicht einfach möglichst stark wachsen. Das Wachstum muss auch zur Region passen.

Zur Person

Ernst Möhl ist mit der Mosteri auf- und früh in die Verantwortung hineingewachsen. Mit 23 wurde er Verwaltungsratspräsident. Nach seinem Studium an der ETH übernahm er die Geschäftsleitung. Marken wie Saft vom Fass, Swizly oder Shorley tragen seine Handschrift. Operativ hat er sich schon länger aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Als VRP ist er aber noch immer fast täglich in der Mosterei anzutreffen.

Zur Mosterei Möhl

Was 1895 als Mosterei des Gasthaus Rössli begann, ist heute ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Jährlich verarbeitet Möhl in Arbon rund 15'000 bis 20'000 Tonnen Obst aus der Region und vertreibt seine Produkte in der ganzen Schweiz. Auch nach über 130 Jahren dreht sich hier noch immer alles um «Das Beste vom Apfel».