Zum Hauptinhalt springen

Wie aus Überschuss ein fruchtendes Start-up wurde.

Zu klein, zu gross oder schlicht zu viel. Nicht alle geernteten Schweizer Früchte schaffen es in den Verkauf. Gleichzeitig aber finden gefriergetrocknete Früchte aus dem Ausland den Weg in unsere Läden. Verrückt? Drei Freunde sahen darin kein Problem, sondern eine Geschäftsidee.

Fruuna war geboren. Aber interessiert das auch jemand?

Die Idee klingt bestechend. Wenn einwandfreie Schweizer Früchte keinen Abnehmer finden, warum nicht etwas Neues daraus machen? Genau das tut Fruuna in Horn und verarbeitet überschüssige Ernte zu gefriergetrockneten Produkten. Das liegt im Trend, schliesslich ist Food Waste in aller Munde. Aber die Gründer Sandro Parissenti und Manuel & Katja Hungerbühler wissen: Eine gute Idee macht noch lange kein erfolgreiches Produkt. Bei Fruuna muss deshalb jede Produktidee drei ziemlich einfache Fragen bestehen: Schmeckt es? Gibt es einen Grund, das Produkt auch zu kaufen? Und lässt es sich zu einem Preis produzieren, der für Produzenten, Fruuna und Kundschaft stimmt?

Eine löwenstarke Idee. 

«Die Antworten darauf suchen wir nicht nur am Schreibtisch», erklärt Sandro Parisseti. «Wir gehen raus, auf Märkte, an Messen und rein in Gespräche mit Menschen. Im Austausch hören und beobachten wir, wie Menschen auf unsere Prototypen reagieren. Wie sie schmecken und ob sie auch ein zweites und drittes Mal gekauft würden». So entstanden beispielsweise auch die Fruuna Bananenscheiben. Denn genau danach fragten Menschen bei diesen Gesprächen immer und immer wieder. Also probierte es Fruuna aus. Und landeten so einen ihrer Bestseller. 

Wie ein mutiger Austausch fruchten kann, zeigte Fruuna 2026 auch bei der «Höhle der Thurgauer Löwen». Dabei setzte sich das Start-up gegen drei weitere Jungunternehmen durch. Den mit 5'000 Franken dotierten Preis investierte Fruuna gleich in die nächste Produktion: gefriergetrocknete Trauben.

Gefriertrocknen. Neu interpretiert. 

Fruuna erfindet die Gefriertrocknung nicht neu. Aber das Horner Unternehmen entwickelt eigene Programme, stimmt Temperaturen, Zeiten und Prozesse auf die jeweiligen Produkte ab und tüftelt laufend daran, wie sich das Ergebnis weiter optimieren lässt. «Das Zusammenspiel von bewährter Technologie und eigener Weiterentwicklung macht uns einzigartig», ist Sandro Parissenti überzeugt.

Besonders ist auch, dass Fruuna die gesamte Wertschöpfungskette in der eigenen Hand behält. Von der Rohstoffbeschaffung über die Produktentwicklung bis hin zur Verarbeitung, Verpackung und den Vertrieb. «So können wir jeden Schritt auf den nächsten abstimmen». 

Diese Expertise behält Fruuna nicht nur für sich und bietet seine Anlagen auch anderen Produzenten zur Lohnverarbeitung an. Ein Obstbetrieb kann beispielsweise seine Früchte in Horn gefriertrocknen und daraus ein eigenes Produkt machen lassen. Ohne selbst in die Technologie investieren zu müssen.

Wenn die Idee schneller wächst als die Finanzierung.

Doch die Infrastruktur hat ihren Preis. Gefriertrocknungsanlagen sind teuer. Und wer mehr verarbeiten und neue Produkte entwickeln will, braucht Kapital. Genau da wird es für junge Unternehmen schnell mal schwierig. «Eine Finanzierung zu erhalten, ohne gleich Firmenanteile abzugeben, ist eine echte Challenge», bestätigt Sandro Parissenti. Gerade bei der Finanzierung der Maschinen hätten sich die Gründer mehr Offenheit und Unterstützung von Finanzinstituten gewünscht.  

Kapital ist das eine. Fruuna braucht auch Rohstoffe, Know-how und die richtigen Partner. Und davon gibt es rund um Horn viele.

Zusammen geht mehr. Auch in Mostindien. 

Für Fruuna ist der Oberthurgau darum ein guter Nährboden. «Landwirtschaft und unternehmerische Erfahrung gibt’s hier schliesslich reichlich», so Parissenti. Beides noch stärker zusammenzubringen, darin sieht Fruuna noch Potenzial.

Wer hat welche Rohstoffe? Wer kann sie verarbeiten? Wer hat Verwendung dafür? «Wenn Landwirtschaft, Verarbeitung, Gastronomie und Handel früher miteinander ins Gespräch kämen, könnten daraus schneller neue Produkte und Absatzwege entstehen, ist Parissenti überzeugt. Davon würden alle profitieren. 

Was es dazu braucht? «Weniger Berührungsängste. Und mehr Lust, einfach mal etwas miteinander auszuprobieren. Wir haben den Eindruck, dass man hier lieber im eigenen Umfeld bleibt», sagt Parissenti. «Dabei könnten wir gegenseitig von unseren Erfahrungen und Herausforderungen viel lernen».

Genau dafür gibt’s Upper Thurgau.

Fruuna zeigt, wie unkompliziert Innovation manchmal beginnt. Mit einer Challenge für die lokale Wirtschaft. Und findigen Köpfen, die beschliessen, daraus etwas zu machen. 

Damit diese Verbindung einfacher wird, genau dabei setzt Upper Thurgau an. Und will Unternehmen und Menschen miteinander in Kontakt bringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Wenn der Austausch einfacher wird, wird auch sichtbar, wer in der Region was kann. Und wer gerade wen braucht. 

Denn manchmal beginnt eine neue Kooperation nicht mit monatelangen Recherchen. Sondern ganz einfach mit einem unkomplizierten Gespräch. Oder wie Sandro Parissenti es auf den Punkt bringt: «Komm, wir tauschen uns doch einfach mal aus.»

Upper Thurgau
Die Impact Region

3 Fragen an Sandro Parissenti.

Was raten Sie Menschen mit einer Geschäftsidee?
Macht es. Startet. Wir haben Menschen kennengelernt, die gefühlt an der 15. Business-Idee rumtüftelten und noch immer nicht ins Tun gekommen sind. Klar, eine vernünftige Planung gehört dazu. Aber irgendwann muss man den Schritt einfach wagen. Denn vieles lernt man sowieso erst, wenn man mal produziert, ausprobiert und verkauft.

Was war Ihre wichtigste Lernkurve?
Dass kaum eine Idee genauso umgesetzt wird, wie wir sie uns am Anfang vorgestellt hatten. Ausprobieren, scheitern, korrigieren, weiterentwickeln. Das gehört einfach dazu. Entscheidend ist, dass du zuhörst, genau hinschaust und aus jeder Erfahrung lernst, den nächsten Schritt abzuleiten. 

Wann ist Fruuna eine Erfolgsgeschichte?
Wenn wir langfristig ein tragfähiges Unternehmen sind. Dazu müssen unsere Produkte ihren Preis wert sein, wiederholt gekauft werden und unsere Kosten tragen. Und nicht zuletzt: Wenn wir möglichst vielen Schweizer Früchten eine Verwendung geben, wenn sie bei der Ernte aussortiert werden.

Zur Person

Sandro Parissenti ist Mitbegründer von Fruuna. Gemeinsam mit Katja & Manuel Hungerbühler und befreundeten Partnern gründete er 2025 das Start-up. Er beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie aus Schweizer Früchten neue Produkte und zusätzliche Absatzmöglichkeiten entstehen können. 2026 gewann das Gründerteam den Thurgauer Jungunternehmerpreis. 

Zu Fruuna

Fruuna verarbeitet in Horn am Bodensee Früchte, Beeren und Gemüse aus Schweizer Landwirtschaft zu gefriergetrockneten Snacks, Pulvern und Zutaten. Die 100% Naturprodukte werden ohne Zuckerzusätze, Aromen oder Konservierungsstoffe hergestellt. Im Sortiment finden sich Erdbeeren, Himbeeren, Öpfelschnitze, Bananenchips und vieles mehr. Mit Fruuna wollen die Gründer Katja & Manuel Hungerbühler und Sandro Parissenti einen Beitrag gegen Food Waste leisten, indem sich überschüssige Ernte aus der Region haltbar machen.